Blauzungenkrankheit (Bluetongue BT)

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue BT) ist eine nicht ansteckende Viruserkrankung der Wiederkäuer und Kameliden, die durch stechende Insekten übertragen wird. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich.

Aktuell

rot


BTV-8: weitere Fälle in der Schweiz und Frankreich;
BTV-4: Fälle in Italien, Spanien, Portugal und Zypern;
BTV-1 und BTV-3: Fälle in Italien;
BTV-16: ein Fall in Griechenland.

Situation in der Schweiz

Seit September 2018 wurde in der Nordwestschweiz auf neun Betrieben das Blauzungenvirus BTV-8 vorwiegend bei Rindern aber auch bei Schafen nachgewiesen. Die meisten der positiv getesteten Tiere sind nur leichtgradig erkrankt. Weitere Nachweise auf das Virus gab es im Rahmen des Untersuchungsprogramms – ein Programm zur aktiven Tiergesundheitsüberwachung, welches dieses Jahr in den Monaten Oktober und November durchgeführt wird.

In Absprache mit den Kantonstierärzten ist das Vorgehen in den vom Virusbefall betroffenen Betrieben wie folgt: Bei den Betrieben, bei denen bei den Tieren keine klinischen Anzeichen zu erkennen sind, wird der Bestand gesperrt, ohne dass weitere Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Ein Verbringen einzelner Tiere in eine andere Tierhaltung ist jedoch möglich, sofern die Tiere vorher negativ auf das Blauzungenvirus getestet worden sind. Die seuchenpolizeilichen Massnahmen gelten bis zum 1. Dezember, anschliessend werden sie aufgehoben, da der Insektenflug bereits im November stark abnimmt (vektorfreie Zeit).

Die Blauzungenkrankheit ist eine indirekt ansteckende Virusinfektion bei Wiederkäuern, die von Insekten übertragen wird. Vermutlich hat die warme Witterung in den letzten Monaten in der Schweiz die Verbreitung des Virus begünstigt.

Basierend auf der aktuellen Analyse sind keine amtlich angeordneten, präventiven Schutzimpfungen geplant. Gegen BTV-8 sind seit 2008 drei Impfstoffe in der Schweiz registriert. Zurzeit ist jedoch keiner der zugelassenen Impfstoffe lieferbar. Sobald die Impfstoffe wieder lieferbar sind, sind Impfungen auf freiwilliger Basis möglich und je nach Situation auch zu empfehlen.

Die Blauzungenkrankheit ist für Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milchprodukte können ohne Bedenken konsumiert werden. 

(02.11.2018)

Es gibt vom Virus der Blauzungenkrankheit (Bluetongue-Virus BTV) mindestens 26 verschiedene Serotypen mit unterschiedlicher Virulenz und Verbreitung. In der Schweiz war vor allem der Serotyp BTV-8 aktiv. Alle Wiederkäuer sind empfänglich. Aber eine klinische Erkrankung wird meist nur bei Schafen und Rindern gesehen. Je nach Serotyp verläuft die Krankheit unterschiedlich.

Bei Schafen kann die Krankheit von unauffällig bis sehr gravierend verlaufen. Bei Rindern und Ziegen ist die Infektion meist ohne sichtbare Symptome.

Das infektiöse Virus ist bei Schafen bis zu einem Monat nach der Infektion nachweisbar, bei Rindern bis zwei Monate. Hohes Fieber kann begleitet sein von Entzündung der Schleimhäute. Störungen an den Gefässen führen zu Blutungen und Ödembildung. Eine bläuliche Verfärbung (Zyanose) im Maulbereich und an der Zunge ist möglich. Daher kommen auch die Namen Blauzungenkrankheit oder Bluetongue. Typisch sind Ödeme im Kopfbereich und an den Extremitäten. Schaumiger Speichelfluss, seröser bis eitriger Nasenausfluss und Atembeschwerden sind häufig. Speziell bei der Infektion mit BTV-8 treten je nach Trächtigkeitsstadium Aborte und die Geburt von „dummen“ Kälbern und Lämmern auf (Hirnmissbildung).

Im Seuchenfall sind umfassende Bekämpfungsmassnahmen erforderlich, die auch wirtschaftlich ins Gewicht fallen.

Ansteckung und Verbreitung  

Der Erreger ist ein unbehülltes RNA-Virus der Familie Reoviridae, Genus Orbivirus. Die Übertragung erfolgt durch Gnitzen – kleine Mücken der Gattung Culicoides. Diese Gnitzen treten in Mitteleuropa von Juni bis Ende November auf.

Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier wurde bisher nur für BTV-26 bei Ziegen nachgewiesen. Ausscheidung in Sperma kommt vor.

Für den BTV-8 wurde auch eine Infektion des Föten im Uterus bewiesen. Übertragungen durch Kanülen, welche mit erregerhaltigem Blut verunreinigt sind, können ebenfalls vorkommen.

Das Blauzungenvirus kommt in allen Kontinenten vor. In Europa breitete es sich in den Jahren nach 2000 vom Süden bis nach Nordeuropa aus. In der Schweiz wurde der erste Fall einer durch den Erreger BTV-8 ausgelösten Blauzungenkrankheit im Oktober 2007 registriert. Bis Ende 2011 wurden 76 Fälle verzeichnet, in ganz Europa Zehntausende.

Die Schweiz führte von 2008 bis 2010 ein umfangreiches Impfprogramm durch. 2008 war die Impfung für alle Rinder, Schafe und Ziegen während drei Monaten obligatorisch. 2009 und 2010 mussten nur Rinder und Schafe gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden. Die Impfung von Ziegen war freiwillig. 2011 war die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit generell freiwillig. Der Virustyp BTV-8 grassiert seit mehreren Jahren in Frankreich. Im November 2017 gab es nach 2012 erstmals wieder Nachweise auf die Blauzungenkrankheit in der Schweiz. Darauf wurde eine schweizweite Blauzungenzone festgelegt. Damit bleibt der Tierverkehr in der Schweiz für nicht vom Virusbefall betroffene Betriebe ohne Einschränkungen möglich. Der Export in Länder ohne Fälle von Blauzungenkrankheit ist jedoch nur mit Auflagen möglich. Dies betrifft neben dem Tierverkehr auch den Export von Samen, Eizellen und Embryonen. Dadurch erfüllt die Schweiz auch die EU-Auflagen.

Einen Überblick über die Seuchenlage in der Schweiz bietet die Datenbank Tierseuchenfälle Schweiz.

Was tun?  

  • Bei einem Verdachts- oder Seuchenfall ordnet der Kantonstierarzt oder die Kantonstierärztin umfassende Massnahmen gemäss Tierseuchenverordnung TSV an (siehe „Weitere Informationen“) 
  • Bei einem milden Krankheitsverlauf ist besonders bei Rindern auch eine selbstständige Heilung möglich.  
  • Es wird empfohlen, erkrankte Tiere nicht der Sonnenstrahlung auszusetzen. Sie kann die Symptome verschlimmern.
  • Zur Krankheitsvorbeugung gehören planmässige Insektenbekämpfung, Stallhaltung gefährdeter Tierbestände während der Nacht sowie Impfungen (aktive Immunisierung) in verseuchten oder seuchenverdächtigen Regionen.
  • Um den Befall mit Gnitzen zu verringern, können Pyrethroide eingesetzt werden.

In der Schweiz wird seit 2012 nicht mehr gegen Bluetongue geimpft. Tierhaltende können jedoch über ihre Bestandestierärztin oder ihren Bestandestierarzt ihre Tiere weiterhin impfen, was z.B. bei Tieren für den Export empfohlen wird.

Die Blauzungenkrankheit ist eine zu bekämpfende und somit meldepflichtige Tierseuche. Wer Tiere hält oder betreut, muss Verdachtsfälle dem Bestandestierarzt oder der Bestandestierärztin melden. Besonders sorgfältig sind nach wie vor Tiere zu beobachten, welche aus Regionen im Ausland mit aktuellen BT-Fällen importiert oder nach der Sömmerung zurückgeholt werden.

Blauzungenkrankheit Karte

Weitere Informationen

Letzte Änderung 08.11.2018

Zum Seitenanfang

https://www.blv.admin.ch/content/blv/de/home/tiere/tierseuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/bt.html