Moderhinke

Die Moderhinke ist eine bakterielle Klauenkrankheit der Wiederkäuer, die zu einer eitrigen Entzündung der Klauen führt. In der Umgangssprache wird die Krankheit auch als Klauenfäule bezeichnet. Insbesondere bei Schafen ist sie heute noch verbreitet.

Nebst Schafen können auch Ziegen und Steinböcke an der Moderhinke erkranken. Rinder und weitere Wiederkäuer scheinen weniger empfänglich zu sein, können jedoch möglicherweise zur Weiterverschleppung des Erregers beitragen.

Da Moderhinke stets mit hochgradigen Schmerzen einhergeht, stellt sie auch ein gravierendes Tierschutzproblem dar. Die Tiere lahmen und grasen typischerweise auf den Vorderknien ruhend oder liegend. Daraus resultieren häufig Abmagerung, Milchleistungsrückgang, verminderte Säugeleistung der Auen und schlechtere Gewichtszunahme von Lämmern. Die Folge davon sind wirtschaftliche Einbussen wie tiefere Verkaufserlöse und Behandlungskosten.

Ansteckung und Verbreitung

Die Moderhinke ist eine Faktorenkrankheit. Das Vorkommen und die Ausprägung in einer Herde werden entsprechend von verschiedenen Aspekten beeinflusst. Der Schweregrad der Krankheit ist vom infizierenden Bakterienstamm, von begünstigenden Faktoren wie dem Betriebsmanagement (z. B. hohe Besatzdichte) und von den Umwelt- und Klimabedingungen abhängig. Das verursachende Bakterium, Dichelobacter nodosus, bleibt in der Umwelt in der Regel maximal zwei Wochen überlebensfähig. Auch die Bodenbeschaffenheit scheint eine Rolle zu spielen: Auf Kalkböden kommt Moderhinke weniger häufig vor als auf feuchten oder nassen Böden.

Verletzungen im Zwischenklauenspalt und mangelnde Klauenpflege können die Erkrankung fördern. Möglicherweise kann der Erreger auch durch ungenügend gereinigte Klauenwerkzeuge, über gemeinsame Triebwege oder ungereinigte Transportfahrzeuge übertragen werden. Von einer Übertragung zwischen Schafen, Ziegen und weiteren Klauentieren ist in gewissen Fällen auszugehen. Die Ansteckung und Weiterverbreitung findet insbesondere bei der Sömmerung auf einer Gemeinschaftsalp statt.

Das Bakterium Dichelobacter nodosus ist weltweit verbreitet. Gemäss Schätzungen leiden in der Schweiz in jeder vierten Schafhaltung Tiere an typischen Krankheitsanzeichen der Moderhinke.

Bekämpfung und Behandlung der Krankheit

Bei der Moderhinke ist die Einzeltierbehandlung nicht sinnvoll. Es muss zwingend die ganze Herde behandelt werden. Zum Einsatz kommen dabei in der Regel das Ausschneiden, das Behandeln der Klauen mit lokalen Wundsprays, Klauenbäder oder als Vorbeugung auch die Impfung, deren Wirkung jedoch nur einige Wochen anhält.

In der Schweiz wird auch häufig das vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer (BGK) unterstützte Sanierungsprogramm angewendet. Dabei werden gesunde von kranken Tieren getrennt (Herdentrennung). Weiter werden die Klauen regelmässig kontrolliert und sauber ausgeschnitten. Die Tiere werden zusätzlich während mehrerer Wochen mittels Klauenbädern bis zur vollständigen Abheilung behandelt (siehe auch „Weitere Informationen“).

Das Projekt zur Vorbereitung der nationalen Bekämpfung

Seit Anfang der Neunzigerjahre wird die Moderhinke der Schafe im Kanton Graubünden und später auch im Kanton Glarus sowie im Fürstentum Liechtenstein systematisch bekämpft. Trotzdem kommt es immer wieder zu Rückschlägen durch Wiedereinschleppung der Krankheit in bereits sanierte Herden. Vermutet wird dabei u. a. die gemeinsame Sömmerung mit Schafen aus anderen Kantonen. Mit der Annahme der parlamentarischen Motion von Nationalrat Hansjörg Hassler im Juni 2015 hat das Parlament den Bundesrat beauftragt, die Voraussetzungen für eine schweizweit koordinierte Bekämpfung der Moderhinke der Schafe zu schaffen (Motion NR Hassler 14.3503 – Schweizweite Bekämpfung der Moderhinke der Schafe).

Ein solches nationales Bekämpfungsprogramm wird nun im Rahmen eines Projektes vom BLV zusammen mit den wichtigsten Akteuren der Schafhaltung in der Schweiz erarbeitet. Die Projektinitialisierung fand im Sommer 2015 statt.

Weitere Informationen

Letzte Änderung 05.02.2019

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