Für eine ausgewogene Ernährung wird vermehrt der Verzehr von Proteinen pflanzlicher Herkunft empfohlen, insbesondere von Soja. Die Gesundheitsauswirkungen von Isoflavonen, die in der Sojabohne von Natur aus vorkommen, sind jedoch umstritten.
Wir beantworten häufig gestellte Fragen anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.
1. Was sind Isoflavone?
Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die hauptsächlich in der Sojabohne und daraus hergestellten Erzeugnissen (Tofu, Tempeh, Sojagetränke) vorkommen. Strukturell ähneln sie den Östrogenen, einer Gruppe menschlicher Hormone. Weil sie pflanzlicher Herkunft sind, werden sie Phytoöstrogene genannt.
2. Wirken Isoflavone wie Hormone?
Isoflavone können mit Östrogenrezeptoren interagieren. Ihre hormonelle Aktivität ist jedoch weniger ausgeprägt als jene menschlicher Östrogene. In den üblichen mit der Nahrung aufgenommenen Mengen, wie sie auch in asiatischen Ländern seit Langem verzehrt werden, zeigen die verfügbaren Daten bei der allgemeinen Bevölkerung keine unerwünschten hormonellen Wirkungen.
3. Ist die Einnahme von Isoflavonen mit Risiken verbunden?
Bei einer ausgewogenen Ernährung zeigen die verfügbaren Daten keine unerwünschten Wirkungen bei der üblichen Aufnahme von Isoflavonen in der Allgemeinbevölkerung. Hohe Aufnahmemengen werden wissenschaftlich jedoch weiterhin diskutiert und erfordern bei bestimmten Bevölkerungsgruppen, insbesondere bei Kindern, Schwangeren und Personen mit hormonabhängigen Erkrankungen, besondere Vorsicht.
4. Gibt es Höchstmengen für den Isoflavongehalt von Lebensmitteln in der Schweiz?
Ja. In der Schweiz sind die für Erwachsene zulässigen Höchstmengen für Isoflavone aus Soja und Klee in Nahrungsergänzungsmitteln und in Lebensmitteln für Sportlerinnen und Sportler in der Verordnung des EDI über Nahrungsergänzungsmittel (VNem), beziehungsweise in der Verordnung des EDI über Lebensmittel für Personen mit besonderem Ernährungsbedarf (VLBE) festgelegt.
5. Sind gesundheitsbezogene Angaben für Isoflavone in der Schweiz zulässig?
Für Isoflavone sind im Moment keine gesundheitsbezogenen Angaben zulässig.
6. Gibt es Empfehlungen von anerkannten Fachstellen zu Tofu oder Isoflavonen?
Seitens der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es keine Empfehlungen. Zwar evaluierte sie Isoflavone in Nahrungsergänzungsmitteln bei Frauen in der Peri- und Postmenopause, hat jedoch keine spezifischen Empfehlungen zum Verzehr von Tofu herausgegeben.
Die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit (ANSES) hat für Frankreich vor Kurzem die Empfehlung herausgegeben, sojabasierte Lebensmittel in der Gemeinschaftsgastronomie zu vermeiden, um einer erhöhten Exposition durch Isoflavone vorzubeugen. Die zugrunde liegenden Daten stammen hauptsächlich aus Tierstudien bei Säugetieren. Sie können dem besseren Verständnis bestimmter Mechanismen dienen, doch sind eindeutige Schlussfolgerungen für den Menschen aufgrund von Unterschieden in Stoffwechsel und Physiologie sowie der häufig bei Tieren viel höher dosierten Mengen nur beschränkt möglich.
Das BLV pflegt regelmässig Kontakt zu den europäischen und französischen Behörden, um die Entwicklungen im Bereich der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der rechtlichen Vorgaben zu diesem Thema zu verfolgen.
7. Sind Sojaerzeugnisse vereinbar mit einer ausgewogenen Ernährung?
Ja. Das BLV empfiehlt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, die verschiedene Proteinquellen umfasst: Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Tofu. Eine vielfältige Ernährung hilft, den übermässigen Verzehr eines bestimmten Lebensmittels zu vermeiden.
8. Wie regelmässig können Erwachsene Tofu und Soja verzehren?
Sojaerzeugnisse können im Rahmen einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung mehrmals pro Woche verzehrt werden, wie dies in vielen asiatischen Ländern seit Langem üblich ist. Die aktuelle Datenlage lässt darauf schliessen, dass ein moderater Verzehr Teil einer ausgewogenen Ernährung beim Erwachsenen sein kann. Tofu und Tempeh liefern hochwertige Proteine und können Fleisch punktuell ersetzen. Es wird jedoch empfohlen, die Proteinquellen zu variieren.
9. Können Kinder, Jugendliche und Schwangere Soja essen?
Der Verzehr von traditionellen Sojaerzeugnissen kann Teil einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung sein. Die verfügbaren Daten zeigen bei einem gewöhnlichen Verzehr keine klinisch relevanten schädlichen Auswirkungen.
10. Kann Tofu in der Gemeinschaftsgastronomie angeboten werden?
In der Gemeinschaftsgastronomie gründet das Lebensmittelangebot auf einer abwechslungsreichen Wochenplanung. Ausser Haus eingenommene Mahlzeiten machen nur einen Teil der Gesamternährung aus. Ein regelmässiges, aber nicht übertrieben häufiges Angebot von Tofu in einem vielfältigen Speiseplan der Gemeinschaftsgastronomie ist daher mit der Lebensmittelsicherheit vereinbar. Laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es in der Schweiz nicht nötig, Tofu von den Menüplänen der Gemeinschaftsgastronomie zu streichen.
Nützliche Links
Verordnung des EDI vom 16. Dezember 2016 über Nahrungsergänzungsmittel (VNem)
Verordnung des EDI vom 16. Dezember 2016 über Lebensmittel für Personen mit besonderem Ernährungsbedarf (VLBE)
BAG: Endokrine Disruptoren (ED)