Europäische Landschildkröten benötigen eine sorgfältig gestaltete Umgebung, passende Ernährung und regelmässige Beobachtung. Auch Kenntnisse zu Gesundheit, Verhalten, Fortpflanzung und Zucht sind wichtig, um die Tiere über Jahrzehnte artgerecht zu halten.
Haltung und Pflege
Europäische Landschildkröten wie die Breitrand-, Griechische und Maurische Landschildkröte können über 80 Jahre alt werden. Wer sie als Heimtiere hält, übernimmt eine jahrzehntelange Verantwortung. Eine artgerechte Freilandhaltung ist dafür unerlässlich. Schildkröten sind zudem keine geeigneten Heimtiere für Kinder – nicht zuletzt, weil sie keine Kuscheltiere sind.
Damit Schildkröten gesund bleiben und ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können, brauchen sie ein gut gestaltetes Freilandgehege, die richtige Ernährung und eine sorgfältige tägliche Beobachtung.
Wie alle Reptilien sind Schildkröten wechselwarm. Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebung ab. Sie müssen sich an der Sonne aufwärmen können. In unserem Klima brauchen sie an kühlen, regnerischen Frühjahrs- und Herbsttagen eine Ersatzquelle für Wärme und UV-B-Strahlung, zum Beispiel geeignete Wärmelampen.
Als trockener Rückzugsort und Schutz vor Witterung ist ein Frühbeetkasten unverzichtbar. Durch den Treibhauseffekt erwärmt er sich bereits bei wenig Sonneneinstrahlung. Zudem können Schildkröten darin ihre Winterruhe halten, sofern sie sich tief genug in geeignetem Substrat eingraben können.
Europäische Landschildkröten müssen Tag und Nacht in einem Freilandgehege leben. Sonnige und schattige Plätze sind wichtig. Die Anlage sollte grosszügig sein – je mehr Tiere, desto grösser.
Die gesetzlichen Mindestmasse sind in der Tierschutzverordnung festgelegt. Empfehlenswert ist ein Gehege, das zwei- bis dreimal grösser ist als vorgeschrieben.
Damit griechische Landschildkröten nicht entweichen, muss die Umzäunung mindestens 40 cm hoch sein und rund 10 cm im Boden stecken, damit die Tiere nicht untergraben können. Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten sind notwendig, damit die Tiere ungestört ruhen können.
Auch der Bodengrund ist wichtig. Mediterrane Arten sind an kalkhaltige, nährstoffarme Böden angepasst, die schnell abtrocknen und sich rasch erwärmen. Um diese Bedingungen nachzubilden, sollte der ursprüngliche Boden teilweise entfernt und durch kalkhaltigen, kiesigen Untergrund ersetzt werden. Eine abwechslungsreiche Struktur mit sandigen Bereichen und groben Steinen fördert natürliche Aktivitäten wie Graben und nutzt die Krallen ab. Das Gelände darf hügelig gestaltet sein.
Bei artgerechter Haltung sind Schildkröten robuste Tiere und erkranken selten. Dennoch können sie Parasiten entwickeln oder sich verletzen. Da Laien Gesundheitsprobleme oft spät erkennen, ist es wichtig, sich bei Fachleuten oder in Fachliteratur zu informieren.
Im Ernstfall sollten Sie eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen. Eine Person mit Erfahrung in der Behandlung von Schildkröten zu finden, kann jedoch schwierig sein. Es ist daher sinnvoll, bereits vor der Anschaffung eine geeignete Fachperson ausfindig zu machen.
Schildkröten sollten täglich beobachtet werden. Je besser Sie Ihre Tiere kennen, desto schneller fällt ein abweichendes Verhalten auf. Gesunde Schildkröten haben klare, glänzende Augen und eine freie Nase ohne Ausfluss. Sie erscheinen beim Füttern und zeigen ein normales Interesse am Futter. Der Panzer gibt Hinweise auf den Gesundheitszustand: Ein gesunder Panzer ist hart und stabil – bei jungen Tieren noch etwas weicher und elastischer.
Schildkröten sind Wildtiere. Im Gegensatz zu Hunden und Katzen nehmen sie Menschen nicht als Sozialpartner wahr. Sie empfinden es als unangenehm, wenn Sie sie hochheben oder herumtragen. Ihr Panzer ist von Nerven durchzogen, sodass sie Druck, Berührungen und Schmerzen deutlich wahrnehmen.
Europäische Landschildkröten sind wenig soziale Tiere. Sie treffen sich vor allem zur Paarungszeit oder an reichen Futterquellen. Eine Einzelhaltung ist gut möglich.
Bei Gruppenhaltung müssen sich die Tiere in einem grosszügigen Gehege ausweichen können. Zudem ist die soziale Struktur wichtig: Es sollten immer mehr weibliche Tiere als Männchen gehalten werden – keinesfalls ein Pärchen oder zwei Männchen mit einem Weibchen. Bei Aggressionen sind die Tiere vorübergehend oder dauerhaft zu trennen. Vertragen sich die Tiere nicht, kann dies auch auf ein zu kleines Gehege hindeuten.
Griechische Landschildkröten sind Pflanzenfresser. Eine abwechslungsreiche vegetarische Ernährung ist wichtig. Ideal sind Wiesenkräuter wie Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich oder Malven. Früchte sind nur sparsam als Leckerbissen geeignet. Fleisch ist für Schildkröten ungeeignet.
Nur wenige Salatsorten sind geeignet und sollten nicht die Hauptnahrung bilden. Salat und viele einheimische Wildkräuter decken den Kalziumbedarf nicht ausreichend. Ein Mangel kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen. Sepiaschalen unterstützen die Kalziumversorgung.
Ebenso wichtig ist Vitamin D3. Es wird für die Einlagerung von Kalzium benötigt und entsteht nur durch UV-B-Strahlung. Fehlende UV-Bestrahlung und ungeeignete Ernährung können zu Panzerdeformationen und weiteren Schäden führen.
Heu ist ein wertvolles Futter, reich an Rohfasern und gut für die Darmflora. In der Natur suchen die Tiere ihr Futter; deshalb ist es sinnvoll, Futterstellen zu variieren, um Beschäftigung zu fördern.
Wasser nehmen Landschildkröten in der Natur vor allem über feuchte Nahrung auf. In Menschenobhut müssen sie stets Zugang zu frischem Wasser haben. Ein flaches Trinkgefäss mit sauberem Wasser ist daher zwingend.
Fortpflanzung und Zucht
Griechische Landschildkröten vermehren sich langsam. Werden jedoch beide Geschlechter gehalten, legen die Tiere früher oder später Eier. In einem durchschnittlichen Sommer entwickeln sich die Eier nicht ausreichend, da die notwendige Wärme fehlt. Für eine erfolgreiche Nachzucht müssen sie daher in einen speziell konstruierten Brutkasten gelegt werden.
Ist Nachwuchs nicht erwünscht, sollten die Eier nicht ausgebrütet werden. Wer Jungtiere züchten möchte, muss sich frühzeitig um geeignete Plätze für den späteren Nachwuchs kümmern.
Wer Heimtiere gewerbsmässig hält oder züchtet, benötigt eine kantonale Bewilligung des zuständigen Veterinärdienstes und eine entsprechende Ausbildung.