Moderhinke ist eine hochansteckende Klauenkrankheit, die Schafen starke Schmerzen und wirtschaftliche Verluste verursacht. Sie verbreitet sich über engen Tierkontakt und gemeinsam genutzte Flächen oder Werkzeuge. Ein nationales Programm soll sie eindämmen.
Grundlagen zur Krankheit
Die Moderhinke ist eine schmerzhafte, hochansteckende Klauenkrankheit bei Schafen, die oft ganze Herden betrifft. Sie verursacht grosses Tierleid und führt zu wirtschaftlichen Einbussen wie tieferen Verkaufserlösen oder höheren Behandlungskosten.
Verursacht wird die Krankheit durch das weltweit verbreitete Bakterium Dichelobacter nodosus. Dieses schädigt das Gewebe im Zwischenklauenbereich und führt dadurch zu Lahmheiten.
Neben Schafen können auch Steinböcke erkranken. Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer sind weniger empfänglich, können den Erreger aber möglicherweise weiterverbreiten.
Symptome und Verlauf
Erste Anzeichen sind Lahmheit und Schmerzen im Zwischenklauenbereich. Die Tiere entlasten ihre Klauen, grasen häufig kniend oder liegend und bewegen sich nur ungern.
Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Entzündung, übelriechender Nekrose und in schweren Fällen zum Ablösen des Horns. Dadurch verschlechtert sich der Allgemeinzustand deutlich: Die Tiere magern ab, die Milchleistung sinkt und Lämmer nehmen schlechter zu.
Vorkommen und Verbreitung
Moderhinke tritt weltweit in Schafhaltungen auf. Wie häufig sie vorkommt, hängt stark von Betriebsführung, Umweltbedingungen und der Beschaffenheit der Weiden ab.
Die Ansteckung und Weiterverbreitung erfolgt unter anderem während der Sömmerung auf Gemeinschaftsalpen. Der Erreger verbreitet sich auch über ungenügend gereinigte Klauenwerkzeuge, gemeinsame Triebwege oder ungereinigte Transportfahrzeuge.
Mangelnde Klauenpflege und Verletzungen im Zwischenklauenspalt begünstigen die Erkrankung. Viele weitere Faktoren wie Betriebsmanagement, Besatzdichte und Umweltbedingungen beeinflussen den Verlauf:
Auch der Boden spielt eine Rolle: Auf Kalkböden tritt Moderhinke seltener auf als auf feuchten oder nassen Böden. Dichelobacter nodosus überlebt in der Umwelt in der Regel höchstens zwei Wochen.
Moderhinke lässt sich erfolgreich bekämpfen – entscheidend ist, dass Tierhaltende früh reagieren und die empfohlenen Massnahmen konsequent anwenden.
Moderhinke ist eine zu bekämpfende Tierseuche und meldepflichtig. Tierhaltende müssen einen Verdacht sofort der Bestandestierärztin oder dem Bestandestierarzt melden.
Die Krankheit ist grundsätzlich heilbar und meist ohne Antibiotika behandelbar. Die Behandlung ist jedoch langwierig: In der Regel wird die gesamte Herde während bis zu zwei Monaten behandelt.
Tritt Moderhinke bei einem Schaf auf, muss immer die ganze Herde behandelt werden. Dazu gehören die Kontrolle und das Zurückschneiden aller Klauen sowie anschliessende Klauenbäder für die gesamte Herde. Diese Behandlung wird über 6 bis 8 Wochen regelmässig wiederholt.
Zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März werden während fünf Jahren alle Schafhaltungen untersucht. Halterinnen und Halter mit positiven Herden müssen ihre Bestände sanieren. Ziel ist, dass nach spätestens fünf Jahren weniger als ein Prozent aller Schafhaltungen in der Schweiz von Moderhinke betroffen sind.
Zentral ist das Einhalten von Biosicherheitsmassnahmen durch die Tierhaltenden. Das Programm soll das Leiden der Schafe verringern, wirtschaftliche Verluste mindern und einen übermässigen Antibiotikaeinsatz verhindern.
Gesetzliche Grundlagen
Seit dem 1. Juni 2024 gelten Artikel 229ff. der Tierseuchenverordnung (TSV)
Forschung für eine erfolgreiche Bekämpfung der Moderhinke
Die Moderhinke ist eine weltweit verbreitete, schmerzhafte Klauenkrankheit. Sie betrifft vor allem Schafe und verursacht erhebliche wirtschaftliche Verluste.
Am 1. Oktober 2024 startete unter der Leitung des BLV und in Zusammenarbeit mit den wichtigsten Akteuren der Schafhaltung ein nationales Bekämpfungsprogramm.
Es beruht auf Erkenntnissen aus der Ressortforschung.
Für eine wirksame Bekämpfung der Moderhinke braucht es Erkenntnisse aus verschiedenen Bereichen der Moderhinkeforschung. Mehrere Studien untersuchten sowohl die Effizienz der Bekämpfung als auch die eingesetzten Mittel. Gleichzeitig stand eine möglichst schonende Behandlung der betroffenen Tiere im Fokus.
Die Ergebnisse der vom BLV initiierten Forschungsprojekte zeigen, dass antibiotikafreie Klauenbäder mit alternativen Desinfektionsmitteln ohne unerwünschte Nebenwirkungen wirksam und praxistauglich sind.
Studien zur Wirksamkeit von Sprühlösungen und zur Feldvalidierung der neuen Desinfektionsmittel liefern belastbare Erkenntnisse zur Bekämpfungseffizienz, zu den notwendigen Konzentrationen und zum Arbeitsaufwand.
Weitere Untersuchungen bestätigen, dass eine erfolgreiche Bekämpfung neben der Behandlung eine konsequente Biosicherheit voraussetzt.
Kosten-Nutzen-Analysen belegen, dass eine nationale Bekämpfung sowohl wirtschaftlich sinnvoll ist als auch das Tierwohl verbessert.
Aus epidemiologischen Studien weiss man, dass die Moderhinke beim Schaf weit verbreitet ist, bei anderen Haus- und Wildwiederkäuern jedoch nur eine geringe Rolle spielt.
Neue diagnostische Verfahren ermöglichen auch in frühen oder symptomlosen Stadien einen zuverlässigen Nachweis des Erregers.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse bilden die Grundlage für das seit dem 1. Oktober 2024 laufende nationale Bekämpfungsprogramm. Die im Rahmen der Studien validierten Desinfektionsmittel werden darin eingesetzt. Ziel ist es, den Moderhinkeerreger schweizweit nachhaltig zu bekämpfen und die Prävalenz langfristig auf ein sehr niedriges Niveau zu senken. Die Massnahmen werden gemeinsam mit den Akteuren der Schafhaltung kontinuierlich weitergeführt.
Geeignete Klauenbademittel
Die Moderhinke wird in der Schweiz mit desinfizierenden Klauenbädern bekämpft. Zwei wirksame Desinfektionsmittel ohne unerwünschte Nebenwirkungen kommen dabei zum Einsatz. Ihre Wirksamkeit wurde in vom BLV initiierten Studien wissenschaftlich überprüft und bestätigt.
Bewährte Klauenbademittel haben teils erhebliche Nachteile: Einige sind krebserregend, andere enthalten Metalle und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Deshalb finanzierte das BLV Forschungsprojekte zu alternativen, wirksamen und sicher anwendbaren Desinfektionsmitteln.
Beide Studien zeigen deutlich: Neben der Behandlung ist eine gute Biosicherheit entscheidend für eine erfolgreiche Ausrottung des Erregers.
Bekämpfung ohne Antibiotika
Die Strategie Antibiotikaresistenzen (StAR) verfolgt das Ziel, den Einsatz von Antibiotika bei Tieren zu reduzieren. Die Moderhinke eignet sich dafür besonders, da sie traditionell mit desinfizierenden Klauenbädern behandelt wird, die in der Regel keine Antibiotika enthalten.
Eine an der Universität Bern durchgeführte Studie untersuchte, ob sich die Moderhinke durch regelmässiges Klauenschneiden und Klauenbäder aus betroffenen Herden eliminieren lässt.