Erkenntnisse über ein Coronavirus im Schwein helfen das SARS-Coronavirus-2 zu verstehen

Ein vom BLV unterstütztes Forschungsprojekt zu vorsorgenden Massnahmen gegen Ausbrüche von Coronaviren im Veterinärbereich lieferte wichtige Erkenntnisse über Viren, die vom Tier auf den Menschen überspringen. Dank diesen Erkenntnissen können neuauftretende zoonotische Viren, wie das SARS-Coronavirus-2, besser untersucht werden.

Coronaviren

Coronaviren sind als wichtige Krankheitserreger im Veterinärbereich bekannt. Sie können Säugetiere und Vögel infizieren. Eine Reihe von Coronaviren sind Auslöser von schwerwiegenden Krankheiten bei Nutztieren und Heimtieren.

Volker Thiel, Forscher am Institut für Virologie und Immunologie IVI und Professor an der Universität Bern, forscht seit mehreren Jahren zu Coronaviren im Veterinärbereich. Im Interview erklärt er

  • welche Tiere sich mit dem SARS-Coronavirus-2 infizieren und an COVID erkranken können,
  • welche Erkenntnisse helfen, Nutz- und Heimtiere gegen Coronaviren zu schützen
  • und welche Tiere das Virus auf den Menschen übertragen können.

Zur Familie der Coronaviren gehört auch das Porzine Epizootische Diarrhoe-Virus (PEDV). Es ist seit 2010 in China und seit 2013 in den USA für schwere Krankheitsausbrüche verantwortlich.

Das BLV und die Coronaviren

In einem vom BLV unterstützten Projekt erarbeiteten Forschende des IVI von Augst 2015 bis Juli 2018 vorsorgende Massnahmen für den Fall, dass ein hochvirulenter PEDV-Stamm nach Europa und damit auch in die Schweiz eingeschleppt würde.

Im Rahmen des Projekts wurde ein sogenannter „molekularer Klon“ des PEDV-Stammes erzeugt. Dank diesem kann das PEDV-Genom so verändert werden, dass es keine Krankheit mehr auslöst und als möglicher Impfstoff getestet werden kann. Eine ähnliche Strategie kann aufgrund dieser Erkenntnisse auf das SARS-CoV-2 angewendet werden.

Coronavirus-Expertise am Institut für Virologie und Immunologie (IVI)

Als im Januar 2020 die Nachricht von einem neuen SARS-Coronavirus um die Welt ging, war man an dem zum BLV gehörenden IVI gut vorbereitet. Um grundlegende Mechanismen über die Vermehrung von Coronaviren in Tieren und Menschen zu erforschen, wurden dort seit einigen Jahren Arbeiten an Coronaviren durchgeführt.

Im Fokus dieser Arbeiten waren stets die Fragen, wie man die Erkenntnisse nutzen kann, um die Vermehrung und Ausbreitung von Coronaviren zu verhindern, und wie man Coronaviren gezielt abschwächen und zu einem Impfstoff umbauen kann.

Auch beim SARS-CoV-2 geht es darum, einen «molekularen Klon» zu bilden. Den Wissenschaftlern am IVI ist es bereits im Februar 2020 in Rekordzeit gelungen, einen solchen zu erzeugen (Publikation im Wissenschaftsmagazin nature, 4. Mai 2020).

Im Interview erklärt Volker Thiel

  • die Rolle seiner Forschung, als COVID-19 Ende 2019 in China auftrat, und wie er und sein Forscherteam mit anderen Experten national und international zusammengearbeitet haben,
  • inwiefern die Erkenntnisse aus seiner Forschung zum PED-Virus dem Kampf gegen SARS-CoV-2 nützen
  • und welche Rolle die molekularen Klone des PEDV-Stammes für die Entwicklung der Impfstoffe, die im Kampf gegen COVID-19 verimpft werden sollen, spielen.

Ungefährliche Coronaviren als mögliche Impfstoffe

Aufgrund dieses Erfolgs ermöglicht der Schweizerische Nationalfond (SNF) ein Forschungsprojekt für die Entwicklung von abgeschwächten SARS-CoV-2-Varianten, die sich als Lebendimpfstoff eignen könnten. An diesem Projekt sind neben dem IVI zwei weitere Forschungsgruppen aus Bern und Genf sowie zwei Forschungsgruppen aus Berlin und Riems beteiligt.

Das PEDV-Projekt geht in die zweite Phase. In Zusammenarbeit mit einem Industriepartner soll ein PEDV-Impfstoff hergestellt und getestet werden. Zudem haben die Arbeiten an der Entwicklung eines Lebendimpfstoffes für COVID-19 begonnen. Der molekulare SARS-CoV-2-Klon wurde vielen Forschungslaboratorien in aller Welt zur Verfügung gestellt. Diese verfolgen ähnliche Strategien zur Herstellung von Lebendimpfstoffen oder verwenden den Klon, um antivirale Mittel zur Behandlung von COVID-19 zu identifizieren.

Im Interview erklärt Volker Thiel den Unterschied zwischen den Lebendimpfstoffen, die aufgrund von Erkenntnissen aus seiner Forschungstätigkeit entwickelt werden sollen, und den Impfstoffen, die aktuell im Kampf gegen COVID-19 verimpft werden.

Weitere Informationen

Im Detail

BLV-Forschungsprojekt:
«Etablierung von vorsorgenden Massnahmen für PEDV Ausbrüche (1.15.05

Letzte Änderung 11.06.2021

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